"Tycoons - Die Macht der Milliardäre: Russlands Oligarchen" ist eine aufschlussreiche Dokumentation über die Entstehung und den Einfluss einer kleinen Gruppe extrem reicher Männer, die nach dem Zerfall der Sowjetunion zu den mächtigsten Akteuren Russlands aufstiegen. In den turbulenten Jahren der 1990er Jahre entstanden im Chaos der wirtschaftlichen Privatisierung gigantische Vermögen. Unternehmer sicherten sich staatliche Industrien, Rohstoffe und Finanzunternehmen und wurden zu sogenannten Oligarchen. Männer, deren wirtschaftliche Macht weit über einzelne Firmen hinausging.
Die Dokumentation zeichnet nach, wie diese Oligarchen ihre Imperien aufbauten und welchen Einfluss sie auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Russland ausübten. Mit dem Amtsantritt von Wladimir Putin im Jahr 2000 änderten sich jedoch die Machtverhältnisse. Die Superreichen mussten sich entscheiden. Loyalität gegenüber dem neuen Präsidenten oder Widerstand gegen seine wachsende Kontrolle. Wer sich dem neuen Machtgefüge widersetzte, riskierte Gefängnis, Enteignung oder den Verlust seines Einflusses.
Neben der Entwicklung innerhalb Russlands beleuchtet der Film auch die internationalen Verbindungen der Oligarchen. Luxusvillen an der Côte d'Azur, Immobilien in London, Milliardeninvestitionen und ein Netzwerk aus Unternehmen zeigen, wie stark russisches Kapital in westliche Wirtschaftssysteme eingebunden ist. Spätestens mit dem Angriff auf die Ukraine geraten diese Vermögen ins Visier westlicher Staaten, die versuchen Einfluss, Besitz und finanzielle Netzwerke der Oligarchen zu beschränken.
"Tycoons - Die Macht der Milliardäre: Russlands Oligarchen" zeigt eindrucksvoll, wie eng wirtschaftliche Macht, politische Einflussnahme und internationale Finanzstrukturen miteinander verbunden sein können. Die Dokumentation wirft dabei auch die Frage auf, welche Rolle westliche Staaten, Banken und politische Netzwerke beim Aufstieg dieser Milliardäre gespielt haben und wie schwierig es ist, globale Machtstrukturen transparent zu machen.

